Schenkt den Pferden ein Lachen!

Immer wieder sieht man Bilder von Turnierpferden mit Rollkur, die ja nun auch als Hyperflexion erlaubt ist, wenn auch nur für einen gewissen Zeitrahmen. Immer wieder sieht man Pferde, die durch den Menschen sehr viel an Lebensqualität eingebüßt haben, oder auch noch müssen. Wir wollen das anders machen. Wir wollen Pferde, die freiwillig die Zähne zeigen und nicht vor Schmerz. Wir wollen Pferde, die lachen, weil sie glücklich sind.

Seit jeher üben Pferde eine hohe Faszination auf den Menschen aus. Umso größer ist natürlich der Wunsch nach einer tiefen Bindung und Beziehung zu diesem Wesen. Nicht ohne Grund haben Fernsehserien wie Fury ein Millionenpublikum begeistert: Ein kleiner Junge bändigt einen wilden Hengst und scheinbar nichts kann die beiden trennen.

Umso natürlicher ist es, dass auch Sie zu Ihrem ganz persönlichen Pferd eine tiefe Bindung haben wollen. Dazu gehört wie in jeder Partnerschaft, dass man die Bedürfnisse des anderen kennt, diese respektiert und darauf eingeht. Ein wichtiges Bedürfnis ist, glücklich zu sein. Was nutzen einem der Ferrari und die Armaturen aus Gold, wenn die Seele nicht ebenso glänzt. Glück an sich lässt sich eben nicht kaufen. Was sich kaufen lässt, sind Dinge, mit denen man glücklich werden kann.

Für Ihr persönliches Glück haben Sie sich vielleicht ein Pferd gekauft. Doch wie sich wahrscheinlich herausstellte, sind mit diesem Einkauf nicht nur Glück, sondern auch Stress, Sorgen und finanzieller Aufwand bei Ihnen eingekehrt. Aber man nimmt das alles gerne auf sich für die vielen schönen Momente, die man mit dem Pferd hat. Doch diese kommen nicht von allein. Man muss Zeit mit dem Pferd verbringen und es kennenlernen. Man übt Stillstehen beim Putzen, Reiten oder trainiert nach irgendeiner der vielen anderen Methoden, die es auf dem Markt gibt. Wichtig bei alledem ist, dass die Freundschaft dabei nicht auf der Strecke bleibt. In allen diesen Situationen ist der Mensch der Lehrer des Pferdes und das Pferd soll artig und brav seine Lektionen machen. Doch wo ist hier die Beziehung? Denken Sie mal an ihre beste Freundin oder besten Freund. Die Situationen, die sie zusammengeschweißt haben. Was waren die? Wahrscheinlich haben Sie da nicht in irgendeiner Form Unterricht gehabt, entweder der eine vom anderen oder umgekehrt. Sondern es waren die Dinge im Alltag, die die Beziehung stärken. Ein kurzes Gespräch, in dem man mitteilt, wie es einem geht, oder fragt, was der andere für Sorgen hat. Augenblicke, in denen niemand von beiden etwas musste oder sollte. Solche Zeiten sind wahnsinnig wichtig für eine Beziehung. Deswegen brauchen wir auch solche Momente mit unseren Pferden.

Pferde untereinander haben Zeit. Sie stehen oft stundenlang nebeneinander und genießen die Zweisamkeit. Ab und an bewegt sich mal einer und geht entweder fressen, saufen oder positioniert sich anders in der Gruppe. Oft um Kontakt zu einem anderen Herdenmitglied aufzunehmen. Hier geht es dann meistens nicht um einen Rangkampf, sondern um Freundschaft. Besonders in schon längeren Pferdekonstellationen nimmt der Anteil von Rangauseinandersetzungen ab und dafür wächst der Teil, in dem die Beziehungen der Pferde untereinander gestärkt werden. Dazu stellen sich die Pferde ganz dicht nebeneinander, fast so dicht dass sich die Bäuche berühren und dösen synchron. Oft laufen sie auch wie beste Freundinnen „Hand in Hand“ nebeneinander im Auslauf oder pflegen sich.

Um als Mensch in diesem Sinne denn gleichen Stellenwert wie ein Pferdefreund zu bekommen, müssen wir uns auch so verhalten. Wir dürfen unsere Zeit nicht auf Kosten der Zweisamkeit mit dem Pferd einteilen und ausschließlich andere Prioritäten setzen. Natürlich ist ein gewisses Training nötig und sinnvoll und darf auch nicht vernachlässigt werden. Dennoch muss der andere Teil auch seinen gewissen Stellenwert haben, denn nur so wird aus einem Zusammensein auch ein Miteinander.

Lachen verbindet. Also lasst die Pferde lachen und genießt die gemeinsame Zeit als Freunde. Kümmert euch um die Bedürfnisse eurer Tiere, denn mit hungrigem Magen oder Schmerzen lacht es sich schlecht. Und dennoch: Lachen muss geübt werden. Es gibt Pferde, die müssen erst lernen sich darauf einzulassen. Wenn man sie krault und kratzt, dann zeigen sie erst keine Reaktion. Da muss man einfach unbeirrt weitermachen und versuchen, die Stelle zu finden, an der es zu gut ist, um es zu ignorieren. Ich war einmal bei einer Frau, die hatte ein dickes Kaltblut. Ein ganz nettes Pferd. Aber es hatte auch nicht so viele Reaktionen gezeigt.  Es war artig und machte brav, was von ihm verlangt wurde. Ich hatte es gekratzt, weil ich es von hier so gewohnt bin und nichts. Es stand da und ließ es mit sich machen. Also suchte ich nach einer anderen Stelle, die es lieber mochte. Ich kannte das Pferd nicht sonderlich gut und wusste nicht, wo es ihm gefällt. Also kratze ich hier und krabbelte da. Aber ich konnte keine Regung feststellen. Das Pferd hat weder gezeigt, dass es ihm gefiel noch die Ohren angelegt als Zeichen von Missfallens. Als letzte Lösung fiel mir ein, dass manche Stuten es gerne mögen am Euter gekrault zu werden. Allerdings ist das bei dem Euter immer ein zweischneidiges Schwert: Entweder sie lieben es oder sie finden es ganz blöd und können, wenn es dann doch zu aufmüpfig von mir ist aus deren Sicht, auch treten. Naja also stellte ich mich zu, dass ich nicht direkt im Tretbereich war, und fing vorsichtig an. Als ich merkte, dass sie nicht treten würde, kratzte ich etwas stärker. Ich schaute zu dem Gesicht des Pferdes und konnte erste Anzeichen von Genuss sehen. Schon bald machte Sie eine Schnute und wog den Hals hin und her. Das Eis war gebrochen. Als ich aufhörte, zeigte sie mir mit dem Maul noch weitere Stellen, an denen ich kratzen sollte und auch hier ließ sie ihre Emotionen nach außen und mich teilhaben. Ab dem Zeitpunkt konnte die Stute sich darauf einlassen und dadurch hatten wir für die Zeit, die wir miteinander zu tun hatten, ein engeres Miteinander.

 

Also, schenkt den Pferden ein Lachen!